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Layer 3 Adressierung Präfixe Dual Stack

IPv6-Adressaufbau und IPv4: Präfixe im Heimnetz verstehen

IPv4 und IPv6 adressieren Geräte auf Layer 3, unterscheiden sich aber in Adresslänge, Schreibweise und lokaler Nachbarschaftsauflösung. Hier lernst du IPv6-Präfixe und Adresstypen kennen und ordnest private IPv4-Bereiche sowie DS-Lite/CGNAT ein. Für den Paketkopf siehe ergänzend den IPv4-Header; Ethernet und IP im Schichtenmodell erklärt das OSI-Modell.

AdresslängeIPv4 nutzt 32 Bit, IPv6 128 Bit. IPv4-Heimnetze arbeiten häufig mit NAT.

Provider-PräfixEin Anschluss kann zum Beispiel ein /56- oder /60-Präfix erhalten. Die Delegation hängt vom Provider und Anschluss ab.

LAN-SubnetzEin klassisches IPv6-LAN mit SLAAC nutzt üblicherweise ein /64-Präfix.

NachbarschaftIPv6 nutzt Multicast und ICMPv6 Neighbor Discovery statt ARP und Broadcast.

Wichtige Einordnung

  • Private IPv4-Adressen aus RFC 1918 werden im öffentlichen Internet nicht geroutet. Für den Internetzugang wird häufig NAT eingesetzt; andere Übergänge wie Proxys oder Tunnel sind ebenfalls möglich.
  • Ein IPv6-/64 ist kein Luxus, sondern der normale Zuschnitt für ein einzelnes Subnetz mit SLAAC und sauberer Neighbor-Discovery-Logik.
  • 169.254.0.0/16 bei IPv4 ist nur ein lokaler Notbehelf für automatische Selbstkonfiguration und kein Ersatz für saubere Adressplanung.
  • Die angezeigte IP-Adresse hilft bei der Einordnung des aktuellen Zugriffs. Sie ist kein kompletter Blick auf alle Interface-Adressen deines Geräts.

Grundlagen

Was IPv4 und IPv6 im Kern unterscheidet

Beide Protokolle adressieren Hosts auf Layer 3. Die Unterschiede liegen vor allem in Adressraum, Betriebsmodell und den Mechanismen für lokale Kommunikation.

Die größte mentale Umstellung ist oft der Schritt von einer einzelnen WAN-Adresse bei IPv4 zu einem delegierten Präfix bei IPv6. Nicht ein einzelner Host wird versorgt, sondern ein ganzer Vorrat an Subnetzen.

Adresslänge

32 Bit vs. 128 Bit

IPv4 stellt rund 4,3 Milliarden Adressen bereit. IPv6 vergrößert den Raum massiv und erlaubt großzügige Präfix-Delegation an ganze Standorte oder Anschlüsse.

Schreibweise

Dezimal vs. hexadezimal

IPv4 wird punktiert in vier Dezimalzahlen geschrieben. IPv6 nutzt acht Hex-Gruppen und erlaubt Null-Kompression mit ::, solange die Eindeutigkeit erhalten bleibt.

Lokale Kommunikation

ARP vs. Neighbor Discovery

IPv4 fragt MAC-Adressen klassisch über ARP und Broadcast ab. IPv6 arbeitet mit ICMPv6, Multicast und Neighbor Discovery.

Internetzugang

NAT vs. Ende-zu-Ende

IPv4-Heimnetze nutzen häufig NAT. IPv6 ermöglicht globale Adressen ohne notwendiges NAT, eine zustandsbehaftete Firewall bleibt trotzdem wichtig.

Direkte Übersicht

Wichtige IPv6-Adressarten direkt erklärt

Statt eines Zeitstrahls stehen die wichtigsten IPv6-Typen hier direkt nebeneinander. So lassen sich Einsatzbereich, Routing-Verhalten und typische Praxisfälle sofort vergleichen.

IPv6-Link-Local ist Pflichtbestandteil des lokalen Betriebs und nicht nur ein Notfallmechanismus. ULA und GUA können auf demselben Interface parallel existieren und verschiedene Aufgaben erfüllen.

Link-Local-Adressen (LLA)

LLA · fe80::/10

Link-Local-Adressen gelten nur auf dem lokalen Layer-2-Link. Sie sind für Neighbor Discovery, Router Advertisements und lokale Diagnose wichtig, werden aber nicht über Router weitergeleitet.

  • Jedes aktive IPv6-Interface hat normalerweise mindestens eine Link-Local-Adresse.
  • Ohne diese Adressen würden viele Basisfunktionen von ICMPv6 im LAN nicht sauber laufen.

Unique Local Addresses (ULA)

ULA · fd00::/8

Unique Local Addresses (ULA) sind für interne Netze gedacht. Der reservierte Bereich ist fc00::/7; derzeit lokal vergebene ULA beginnen mit fd und liegen damit in fd00::/8. Sie sind nicht für globale Internet-Routen vorgesehen.

  • ULA ist sinnvoll, wenn interne Dienste unabhängig vom Provider-Präfix stabil bleiben sollen.
  • Im Heimnetz wird ULA oft mit globalem IPv6 parallel genutzt.

Global Unicast Addresses (GUA)

GUA · 2000::/3

Global Unicast ist der normale öffentliche IPv6-Adressraum. Provider delegieren ein Präfix an den Anschluss, der Router teilt daraus meist /64-Subnetze für einzelne VLANs oder LAN-Segmente ab.

  • Provider können zum Beispiel /56 oder /60 delegieren; einzelne SLAAC-LANs laufen üblicherweise als /64.
  • Adressvergabe läuft dann je nach Netz über SLAAC, DHCPv6 oder statische Zuweisung.

Multicast (MC)

MC · ff00::/8

IPv6 ersetzt klassisches Broadcast weitgehend durch Multicast. Pakete gehen nur an Empfänger, die Mitglied der jeweiligen Gruppe sind.

  • Router Advertisements und viele Discovery-Abläufe nutzen Multicast.
  • Das reduziert unnötigen Verkehr im Vergleich zum klassischen Broadcast-Modell.

Anycast (AC)

AC · kein eigener Präfix

Anycast ist keine eigene Adressklasse, sondern ein Betriebsmodell: Mehrere Systeme nutzen dieselbe Zieladresse und das Routing liefert das Paket zum topologisch nächsten erreichbaren Knoten.

  • Große DNS- oder CDN-Dienste nutzen Anycast häufig für kurze Wege und Redundanz.
  • Im privaten Heimnetz ist Anycast selten, als Konzept aber trotzdem wichtig.

Praxis

Präfix-Rechner und Anschluss-Einordnung

Die beiden Module verknüpfen Adressplanung mit deinem aktuellen Zugriff: links der Präfix-Rechner für IPv6 und IPv4, rechts die vom Server erkannte IP-Adresse.

Präfix-Rechner

IPv6 und IPv4 direkt vergleichen

IPv6 zeigt Routing-Präfix, Subnetz-ID und Interface-ID einer Beispieladresse. Über den Schalter wechselst du direkt auf die IPv4-CIDR-Sicht.

Adressen insgesamt im Hostanteil 18.446.744.073.709.551.616
Praktisch nutzbare Adressen 18.446.744.073.709.551.616
Typisch vom Provider: /56 oder /60 Typisches Endgeräte-Subnetz: /64
IPv6 arbeitet meist mit delegierten Präfixen. Im Heimnetz ist /64 pro LAN das übliche Zielnetz, darüber teilt der Router den größeren Provider-Bereich weiter auf.

Anschluss-Einordnung

Aktuell erkannte Client-IP-Adresse

Hier siehst du die IP-Adresse, unter der deine Anfrage den Server erreicht. Sie hilft beim Einordnen deines Zugriffs, zeigt aber nicht alle Adressen deines Geräts oder Routers.

216.73.217.95
Quelle Serverseitig aus dem aktuellen Request erkannt
Erkannter Typ IPv4
Auch mit nativem IPv6 kann dein Anschluss bei IPv4 weiter über NAT44 oder Carrier-Grade-NAT laufen. Genau deshalb bleiben beide Protokolle in der Praxis oft parallel relevant.

RFC1918 und Sonderfälle

Wichtige IPv4-Bereiche in der Praxis

Nicht jede IPv4-Adresse ist global eindeutig im Internet sichtbar. Mehrere Bereiche sind für private Netze, lokale Selbstkonfiguration oder Provider-NAT reserviert.

100.64.0.0/10 ist kein RFC1918-Heimnetzbereich, sondern der Shared Address Space für Provider-Netze und wird häufig im Zusammenhang mit Carrier-Grade-NAT genutzt. Eine Adresse aus diesem Bereich ist nicht global öffentlich routbar; bei CGNAT teilst du dir die öffentliche IPv4 mit anderen Anschlüssen.

Bereich Typische Rolle Internet-routbar Kommentar
10.0.0.0/8 Privates Netz Nein Größter RFC1918-Bereich, oft in Unternehmensnetzen
172.16.0.0/12 Privates Netz Nein Mittlerer RFC1918-Bereich für interne Netze
192.168.0.0/16 Privates Netz Nein Häufig im Heimnetz und bei Standardroutern
169.254.0.0/16 APIPA / Link-Local Nein Automatische Selbstkonfiguration ohne DHCP
127.0.0.0/8 Loopback Nein Bleibt immer lokal auf dem Gerät
100.64.0.0/10 Shared Address Space Nein Für Provider-Netze reserviert; häufig bei CGNAT verwendet

Alltag im Netz

Was man in Heimnetz und Fehlersuche wirklich braucht

Die Theorie wird relevant, sobald Verbindungen aufgebaut, gefiltert oder debuggt werden. Dann entscheiden Präfixe, Firewalls, NAT und lokale Discovery-Mechanismen über das Verhalten.

  • Ein /64 ist im IPv6-LAN der Normalfall und keine Verschwendung. Viele Standards und Endgeräte erwarten genau diese Präfix-Länge.
  • Private IPv4-Adressen erklären nur den lokalen Teil der Verbindung. Für den Weg ins Internet ist die NAT- oder Provider-Seite entscheidend.
  • Wenn DNS sowohl A- als auch AAAA-Records liefert, wählen moderne Systeme häufig IPv6 zuerst oder prüfen beide Wege parallel.

Dual Stack

Beide Welten parallel

Viele Anschlüsse fahren IPv4 und IPv6 gleichzeitig. Anwendungen und Betriebssysteme entscheiden dann dynamisch, welches Protokoll für ein Ziel sinnvoller ist.

DS-Lite und CGNAT

IPv4 wird knapp

DS-Lite transportiert IPv4 über einen IPv6-Tunnel zu einem Provider-AFTR, der IPv4-Verbindungen per Carrier-Grade-NAT umsetzt. Auch andere CGNAT-Verfahren teilen öffentliche IPv4-Adressen; eingehende IPv4-Verbindungen lassen sich dadurch nicht wie bei einer eigenen öffentlichen IPv4 per Router-Portfreigabe bereitstellen.

ICMPv6 gehört dazu

Nicht blind blockieren

IPv6 braucht ICMPv6 für Neighbor Discovery, Router Advertisements und Path-MTU-bezogene Rückmeldungen. Zu aggressives Filtern führt schnell zu seltsamen Fehlerbildern.

Firewall bleibt Pflicht

Auch ohne NAT

Dass IPv6 globale Adressen bereitstellt, bedeutet nicht offene Erreichbarkeit für alles. Eine zustandsbehaftete Firewall bleibt die Sicherheitsgrenze am Anschluss.

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FAQ

Häufige Fragen

Warum braucht man heute trotz IPv6 oft noch IPv4?

Weil viele Dienste, Netze und Altgeräte weiterhin auf IPv4 angewiesen sind. Darum laufen Anschlüsse häufig als Dual Stack oder mit IPv6 plus eingeschränkter IPv4.

Ist ULA einfach dasselbe wie private IPv4?

Es ist ähnlich im Sinn von nicht global routbar, aber technisch sauberer gedacht. ULA kann standortintern stabil geroutet werden und ist nicht automatisch an NAT gekoppelt.

Warum ist ein IPv6-Subnetz meistens /64?

Weil zentrale Mechanismen wie SLAAC und Neighbor Discovery auf dieses Format ausgelegt sind. Für normale LAN-Segmente ist /64 deshalb der gängige und erwartete Standard.

Welche IP-Adresse zeigt die Seite an?

Angezeigt wird die vom Webserver für diese Anfrage erkannte IP-Adresse. Bei VPN, Proxy oder Provider-NAT ist das nicht unbedingt eine Adresse, die direkt einem Gerät in deinem Heimnetz zugeordnet ist. Die Anzeige kann je nach Verbindung IPv4 oder IPv6 enthalten.