Störer im Kupfernetz

Die Übersicht zeigt schematisch, wie sich klassische DSL-Profile, G.fast und typische HF-Störer im Bereich von 0 bis 212 MHz überlagern. Gerade überlappende Spektren machen sichtbar, warum PLC, Rundfunk oder schlechte Inhausverkabelung auf Kupfer so schnell Leistung kosten.

Frequenzspektrum 0 bis 212 MHz

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0 MHz
1 MHz
10 MHz
25 MHz
50 MHz
100 MHz
212 MHz

Analog / ISDN

0 bis 0,138 MHz

Klassischer Sprach- und ISDN-Bereich bei Splitter-basierten Anschlüssen. Annex J nutzt diesen Bereich stattdessen für DSL-Upstream.

ADSL2+

0,138 bis 2,2 MHz

Das klassische ADSL-Spektrum endet bei etwa 2,2 MHz. Gerade der untere Bereich reagiert empfindlich auf eingekoppelte Rundfunk- und Leitungsstörer.

VDSL Vectoring 17a

bis 17,664 MHz

Das typische FTTC-Vectoring-Profil. Es liegt noch vollständig unterhalb des UKW-Bandes, überlappt aber stark mit Kurzwelle und PLC im unteren Bereich.

VDSL Supervectoring 35b

bis 35,328 MHz

Erweitert VDSL2 bis rund 35 MHz. Genau hier liegen viele Powerline-Spektren, weshalb PLC in der Praxis oft als direkter Gegenstörer auffällt.

PLC / Powerline

typisch 2 bis 86 MHz

Powerline überträgt Daten absichtlich auf das Stromnetz und koppelt meist breitbandig als OFDM-Störer ein. Typisch sind ein angehobener Rauschboden über viele MHz und zusätzlich kurze impulsartige Peaks durch Schaltnetzteile, Ladegeräte oder Dimmer auf demselben Netz; das kostet SNR, erzeugt CRC/ES und kann bei VDSL oder G.fast auch Resyncs auslösen.

Kurzwelle / Funkdienste

ca. 3 bis 30 MHz

Kurzwellen-Rundfunk, Amateurfunk, Betriebsfunk und nahe starke Sender wirken meist eher schmalbandig als breitbandig: einzelne Träger, Seitenbänder oder starke Peaks belegen Teilbereiche zwischen etwa 3 und 30 MHz.

  • Schmalbandige Störer: Rundfunksender, Amateurfunk oder andere Funkdienste erzeugen lokale Peaks; das führt zu SNR-Einbrüchen, Bitswaps und Notches.
  • Impulsartige Störer: Schaltnetzteile, LED-Treiber, PV-Wechselrichter oder Weidezaungeräte streuen kurze breitbandige Impulse ein.
  • Auswirkung auf DSL: betroffen sind vor allem ADSL, VDSL2 17a und der untere 35b-Bereich; möglich sind CRC, Fehlersekunden und im Grenzfall Resyncs.

G.fast Profil 106a

bis 106 MHz

FTTB- und Inhaus-Profil für sehr kurze Kupferstrecken. Im Vergleich zu VDSL nutzt G.fast deutlich mehr HF-Spektrum und liegt damit mitten in Rundfunkbändern.

UKW / FM-Radio

87,5 bis 108 MHz

Das UKW-Band liegt oberhalb klassischer VDSL-Profile, fällt aber direkt in G.fast 106a und natürlich auch in 212a hinein.

G.fast Profil 212a

bis 212 MHz

Das breite 212a-Profil reicht bis 212 MHz und nimmt damit fast das gesamte dargestellte Spektrum ein. Saubere Inhausverkabelung wird hier besonders wichtig.

Typische Überschneidungen

PLC und Supervectoring 35b liegen über viele MHz direkt übereinander. Deshalb sind Powerline-Adapter in DSL-Haushalten oft sofort im Spektrum sichtbar.
G.fast 106a schneidet UKW deutlich; G.fast 212a reicht zusätzlich in höhere VHF-Bereiche hinein. Hausverkabelung, Dosen und schlecht geschirmte Leitungen werden dort kritischer.
Die Grafik ist bewusst schematisch. Reale Spektren enthalten Notches, Guard-Bänder, PSD-Masken und je nach Betreiber abweichende Profile.

Kurzfassung

Je höher das genutzte Spektrum, desto mehr Überschneidungen: G.fast sieht deutlich mehr Rundfunk- und PLC-Bänder als klassisches VDSL.

PLC stört nicht punktuell, sondern breitbandig: Gerade deshalb kollidiert es in Kupfernetzen so auffällig mit 17a, 35b und G.fast.

Nicht jeder Balken ist dauerhaft voll belegt: Betreiber nutzen Masken, Notches und Profile. Die Zeichnung zeigt die typische grobe Lage im Spektrum.

PLC Generationen im Überblick

Die Powerline-Welt reicht von frühen HomePlug-1.0-Adaptern bis zu modernen G.hn-Systemen. Mit jeder Generation wurde meist mehr Frequenzband genutzt, was in Kupferumgebungen die potenzielle Überschneidung mit DSL und G.fast vergrößert.

Legacy PLC

HomePlug 1.0 / HomePlug Turbo

Erste Generation

ca. 4 bis 20 MHz

Typische Datenraten

  • 14 Mbit/s (HomePlug)
  • 85 Mbit/s (Turbo)

Merkmale

  • Diese Geräte sind heute praktisch obsolet.

Typische Produktgruppen

Devolo dLAN 14 / dLAN 85
Netgear XE102 / XE104
Linksys PLK200 Serie
D-Link DHP-300 / DHP-301

HomePlug AV

200-Mbit-Generation

etwa 2 bis 30 MHz

Typische Datenraten

  • ~200 Mbit/s PHY-Rate

Merkmale

  • OFDM-Modulation
  • Erstes massentaugliches Powerline-LAN

Typische Produktgruppen

devolo dLAN 200 / dLAN 200 AV
AVM FRITZ!Powerline 200E
TP-Link TL-PA2010 / TL-PA210
Netgear XAV1004 / XAVB101
Zyxel PLA400 / PLA420

HomePlug AV / IEEE 1901

500- bis 600-Mbit-Generation

etwa 2 bis 68 MHz

Typische Datenraten

  • bis ~600 Mbit/s PHY

Merkmale

  • OFDM
  • Deutlich mehr Subcarrier

Typische Produktgruppen

devolo dLAN 500 / dLAN 550
AVM FRITZ!Powerline 500E
TP-Link TL-PA4010 / TL-PA411
Netgear XAVB500 / PL500
Zyxel PLA5205

Gigabit PLC

HomePlug AV2

Gigabit-Powerline

typisch 2 bis 68 MHz, teilweise bis etwa 86 MHz

AV2 nutzt zusätzliche Frequenzen oberhalb 30 MHz, wodurch deutlich höhere Datenraten möglich sind.

Typische Datenraten

  • AV1000: ~1000 Mbit
  • AV1200: ~1200 Mbit
  • AV1300: ~1300 Mbit
  • AV2000: ~2000 Mbit

Merkmale

  • Breiteres Spektrum als ältere HomePlug-AV-Klassen

Typische Produktgruppen

AVM FRITZ!Powerline 1000 / 1220 / 1260
devolo dLAN 1000 / dLAN 1200 / dLAN 1200+
TP-Link TL-PA7010 / TL-PA8010 / TL-PA9020
Netgear PL1000 / PL1200 / PL2000
Zyxel PLA5236 / PLA5456
D-Link DHP-600 / DHP-701

Next-Generation PLC

G.hn

ITU-T Standard

etwa 2 bis 100 MHz, teilweise darüber

Typische Datenraten

  • bis ~2400 Mbit/s PHY

Merkmale

  • Moderner ITU-Standard
  • Flexiblere Notching-Mechanismen

Typische Produktgruppen

devolo Magic 1 / Magic 2 / Magic 2 WiFi
Comtrend PG-9182 / PG-9172
Zyxel PLA6456
Sagemcom G.hn Adapter Serien

KW Kurzwelle im Überblick

Kurzwelle ist für DSL vor allem deshalb relevant, weil sie zwischen etwa 3 und 30 MHz direkt in klassischen ADSL- und VDSL-Bereichen liegt. Je nach Dienst entstehen dabei schmale, breit verteilte oder nur zeitweise aktive Störmuster.

Kurzwellen-Rundfunk

Broadcast-Dienste

grob 3 bis 26 MHz

Klassische Kurzwellensender arbeiten mit starken, meist dauerhaften Trägern und Seitenbändern. Genau deshalb tauchen sie im DSL-Spektrum oft als klar erkennbare schmalbandige Belegungen auf.

Typische Dienste

  • Internationale Rundfunksender
  • Feste Rundfunkbänder je nach Tages- und Jahreszeit
  • Oft großräumig empfangbar durch ionosphärische Ausbreitung

Auswirkung auf DSL

  • Typisch sind schmale Peaks, lokale SNR-Einbrüche und Notches auf einzelnen Frequenzbereichen.
  • Besonders auffällig bei ADSL, VDSL2 17a und im unteren Bereich von 35b.

Amateurfunk

Naher und ferner Funkbetrieb

typisch 3,5 / 7 / 14 / 21 / 28 MHz

Amateurfunk liegt in klar definierten Teilbändern der Kurzwelle. Ein entfernter Sender zeigt sich oft nur als schmalbandige Belegung, ein naher oder starker Sender kann jedoch deutlich stärkere Einkopplung verursachen.

Typische Dienste

  • 80-m-Band: etwa 3,5 bis 3,8 MHz
  • 40-m-Band: etwa 7,0 bis 7,2 MHz
  • 20-, 15- und 10-m-Band: etwa 14 / 21 / 28 MHz

Auswirkung auf DSL

  • Bei größerer Feldstärke sind lokale Trägerverluste, Bitswaps und instabile SNR-Reserven möglich.
  • In ungünstigen Inhausinstallationen kann Nahfeld-Einkopplung deutlich kritischer sein als entfernte Rundfunksender.

Störer durch defekte Geräte / Netzteile

Technische Störquellen im Nahbereich

häufig breit innerhalb 2 bis 30 MHz

Defekte Schaltnetzteile, LED-Treiber, Ladegeräte oder andere elektronische Geräte können auf Kurzwelle breitbandige oder impulsartige Störungen erzeugen. Anders als klassische Funkdienste sind diese Störer oft lokal, aber in unmittelbarer Nähe deutlich wirksamer.

Typische Dienste

  • Defekte Schaltnetzteile und Steckernetzteile
  • LED-Treiber, Ladegeräte und günstige Elektronik
  • PV-Komponenten, Dimmer oder andere leistungselektronische Baugruppen

Auswirkung auf DSL

  • Typisch sind breitbandiger Rauschanstieg, impulsartige Peaks oder ganze störbelegte Frequenzfenster.
  • Im DSL-Spektrum fallen diese Quellen oft stärker auf als entfernte Funkdienste, weil sie direkt in der Inhausumgebung einkoppeln.

Wann Störer besonders störend sind

Entscheidend ist nicht nur die Stärke eines Störers, sondern auch, wie gut die DSL-Strecke äußere HF unterdrücken kann und wie stark Leitungsführung, Symmetrie und Umgebung die Einkopplung begünstigen. Die folgenden Punkte erklären typische Ursachen, durch die Störer in der Praxis deutlich wirksamer werden.

Unsymmetrie der DSL-Leitung

DSL arbeitet auf einem symmetrischen Adernpaar. Eingestrahlte oder eingekoppelte Störer werden deutlich kritischer, sobald dieses Gleichgewicht gestört ist, weil Gleichtaktanteile dann leichter in Gegentakt umgewandelt werden. Genau diese Umwandlung macht aus einem eigentlich externen HF-Feld eine wirksame Störung auf der Nutzleitung.

  • Typische Ursachen sind unterschiedliche Leitungswege der beiden Adern, schlechte Klemmstellen, Korrosion oder unsaubere Übergänge in Dosen und Verteilern.
  • Messbar zeigt sich das oft als schlechtere Balance bzw. höheres Longitudinal Conversion Loss; im Spektrum erscheinen Störstrukturen dann deutlich stärker als bei einer sauberen Doppelader.

Parallele Führung von Strom- und Telefonkabeln

Wenn Energieleitung und Fernmeldeleitung über längere Strecken dicht parallel laufen, steigt die elektromagnetische Kopplung. Jede HF auf der Energieleitung kann dann leichter auf die DSL-Zuleitung übergehen; bei PLC ist dieser Effekt besonders sichtbar, weil das Stromnetz gezielt als Träger genutzt wird.

  • Kurze Kreuzungen sind meist unkritischer; problematisch sind viele Meter gemeinsamer Verlauf im selben Kanal, Rohr, Sockelbereich oder Installationsschacht.
  • Je kleiner der Abstand und je länger die Parallelführung, desto höher die eingekoppelte Spannung. Das ist kein Alles-oder-Nichts-Effekt, sondern summiert sich entlang des gemeinsamen Weges.

Schlechte Verdrillung

Die Verdrillung einer Doppelader sorgt dafür, dass äußere Störfelder auf beide Adern möglichst ähnlich einwirken. Ist die Verdrillung schlecht, ungleichmäßig oder an Teilstücken aufgehoben, verliert die Leitung einen großen Teil ihrer Störunterdrückung.

  • Besonders kritisch sind flache Telefonleitungen, unsaubere Auftrennungen auf längeren Stücken, lose Reserveadern oder Installationen, bei denen nur noch ein Teil der Strecke sauber verdrillt ist.
  • Für eingekoppelte Störer bedeutet das: Die HF wirkt nicht mehr fast gleich auf beide Adern, sondern erzeugt einen größeren Differenzanteil, den das DSL-Modem tatsächlich als Störung sieht.

Ungeschirmte Leitung

Eine ungeschirmte Leitung ist nicht automatisch ein massives Problem. Kritisch wird sie vor allem dann, wenn sich in ihrer unmittelbaren Umgebung überhaupt relevante Störer befinden. Wirklich problematisch wird das in der Praxis besonders dann, wenn die Leitung zusätzlich unsymmetrisch ist, weil eingestrahlte HF dann deutlich leichter in eine wirksame DSL-Störung umgewandelt wird.

  • Besonders auffällig wird das bei Nähe zu Powerline-Adaptern, Netzleitungen mit PLC-Signal, Schaltnetzteilen, LED-Treibern oder anderen HF-Quellen im selben Installationsweg.
  • Ohne nahe Störer bleibt der Effekt oft begrenzt. Mit nahen Störquellen steigt die Einkopplung jedoch deutlich; richtig kritisch wird es vor allem dann, wenn zur ungeschirmten Verlegung noch Unsymmetrie der Leitung hinzukommt.

Bridge Taps (Strichleitung)

Bridge Taps sind offene Leitungsabzweige oder tote Stichleitungen an einer DSL-Strecke. Sie verhalten sich hochfrequent wie Fehlanpassungen und Resonatoren. Dadurch verschlechtern sie nicht nur das Nutzsignal, sondern können auch eingekoppelte Störer an bestimmten Frequenzen zusätzlich betonen.

  • Praktisch entstehen so Kerben, Welligkeit und lokale Schwachstellen im Übertragungsverlauf. Genau in diesen Bereichen reicht dann schon weniger Störenergie, um Bits oder ganze Träger unbrauchbar zu machen.
  • Deshalb sieht man in problematischen Installationen oft nicht einfach nur einen höheren Rauschboden, sondern eine Mischung aus Reflexionen, Notches und verstärkten Einbrüchen auf einzelnen Frequenzgruppen.

Mangelnder Potentialausgleich

Fehlt ein sauberer Potentialausgleich oder ist er nur teilweise wirksam, entstehen leichter Ausgleichsströme und zusätzliche Gleichtaktspannungen zwischen verschiedenen Teilen der Installation. Gemeint ist hier vor allem der Potentialausgleich der elektrischen Gebäude- und Strominstallation, nicht ein eigener Potentialausgleich des DSL-Netzes. Solche Spannungen können HF-Störungen verteilen und die Einkopplung in Kommunikationsleitungen verstärken.

  • Betroffen sind vor allem komplexere Inhausnetze mit mehreren Stromkreisen, Unterverteilungen, Metallinstallationen oder gemischten Erdungsbezügen.
  • Für die Praxis heißt das: Nicht nur das Aderpaar selbst zählt, sondern das gesamte elektromagnetische Umfeld. Ein schlechter Potentialausgleich verschlechtert oft die Randbedingungen, unter denen Symmetrie und Entkopplung überhaupt funktionieren sollen.