Allgemeines
Wie ein PON-Zugangsnetz aufgebaut ist
Im FTTH-Ausbau verläuft die Glasfaser vom OLT des Netzbetreibers über passive Splitter bis zum ONT oder Router beim Kunden. Anders als bei DSL ist die letzte Meile hier rein optisch. Entscheidend sind deshalb weniger Leitungskilometer als vielmehr das optische Budget, die Splitterstufen und die Qualität jeder Steck- oder Spleißstelle.
OLT, Splitter und ONT bilden die typische Grundkette eines PON-Zugangs.
Die verfügbare Bandbreite wird im PON zwischen mehreren Teilnehmern geteilt.
Passive Infrastruktur bleibt oft beim Wechsel von GPON auf XGS-PON erhalten.
Die Praxis entscheidet sich meist an Dämpfung, Steckern und sauberem Aufbau.
OLT (Optical Line Terminal)
Das OLT sitzt in der Vermittlungsstelle oder im PoP des Netzbetreibers und ist die aktive Gegenstelle für alle angeschlossenen Teilnehmer auf diesem PON.
- Zentrale aktive Technik für das Zugangsnetz
- Verwaltet Profile, Bandbreite und Authentifizierung
- Ein Port versorgt typischerweise 16 bis 32 ONTs, perspektivisch auch mehr
ONT / ONU
Das ONT wandelt das optische Signal am Kundenanschluss in Ethernet um. Es ist damit funktional das Gegenstück zum klassischen DSL-Modem.
- Externes Gerät oder im Router integriert
- Übergang vom PON in das Heimnetz
- Authentifizierung häufig über Seriennummer oder Provisionierung
Passive Splitter
Splitter verteilen das Lichtsignal ohne Stromversorgung auf mehrere Teilnehmer. Jede Teilungsstufe erhöht aber die optische Dämpfung.
- Typische Teilungen: 1:4, 1:8, 1:16, 1:32
- Einsatz im NVT, MFG oder im Gebäude
- Wichtiger Einflussfaktor für das Leistungsbudget
GPON und XGS-PON
GPON und XGS-PON nutzen dasselbe Grundprinzip, unterscheiden sich aber in Datenrate und eingesetzter aktiver Technik.
- GPON: bis 2,5 / 1,25 Gbit/s
- XGS-PON: bis 10 / 10 Gbit/s
- Migration oft über neue OLT-Ports oder Combo-PON
Praxis
Ein Upgrade von GPON auf XGS-PON ist in der Regel über neue Ports oder Linecards am OLT möglich, während Splitter und Faser weitergenutzt werden. Innerhalb eines einzelnen PON-Segments müssen die aktiven Endgeräte aber zum eingesetzten Standard passen. Parallelbetrieb ist über Combo-PON möglich.
Optisches Budget
Faser, Splitter und typische Pegel
Bei Glasfaser zählt nicht nur die Faserlänge. Jede Kopplung, jeder Splitter und jede Steckung addiert Verluste. Deshalb wird der Zustand eines Anschlusses über Dämpfung und optische Pegel beurteilt, nicht über eine klassische Kupferleitungslänge.
Dämpfung der Faser
- Singlemode OS2: ca. 0,35 dB / 100 m bei 1310 nm
- Singlemode OS2: ca. 0,20 dB / 100 m bei 1550 nm
- Multimode spielt im FTTH-Zugangsnetz praktisch keine Rolle
Dämpfung der Splitter
- 1:2 etwa 3,5 dB
- 1:4 etwa 7,2 dB
- 1:8 etwa 10,5 dB
- 1:16 etwa 13,5 bis 14 dB
- 1:32 etwa 17 bis 18 dB
Steckung und Spleiß
- LC- oder SC-Steckverbinder meist 0,1 bis 0,3 dB pro Steckung
- Fusionsspleiss typischerweise unter 0,1 dB
- Mechanische Spleiße sind im Zugangsnetz eher unüblich
Einordnung
- Hohe Splitterstufen verbrauchen schnell einen grossen Teil des Budgets
- Saubere Steckerflächen und geringe Zahl an Übergängen helfen direkt
- Die reine Strecke ist im FTTH oft weniger kritisch als die Summe aller Übergänge
Dämpfungsfenster
Signalpegel
Einordnung
Glasfaseranschlüsse sind im Gegensatz zu DSL fast unabhängig von der Leitungslänge. Die erreichbare Datenrate wird primär durch aktive Technik, Split-Verhältnisse und das optische Leistungsbudget bestimmt.
Standards
Stecker, Faserarten und Wellenlängen
Im FTTH-Alltag treten viele Fehler nicht an der Faser selbst auf, sondern an der Übergabestelle: falscher Stecker, verschmutzte Stirnflächen oder ein Standard, der an anderer Stelle vorausgesetzt wird.
Steckverbinder
Gerade polierte Kontaktfläche, typisch für Patchverbindungen und kurze optische Strecken.
Älterer Standard mit höherer Rückreflexion als UPC oder APC. In neuen Zugangsnetzen kaum noch relevant.
8 Grad Schrägschliff mit geringerer Rückreflexion. Im FTTH-Umfeld häufig erste Wahl.
SC ist größer und robust, LC kompakter und häufig an ONTs, Gf-APs oder SFP-Modulen zu finden.
Technische Eckpunkte
OS1 ist eher für Gebäudeverkabelung gedacht. Im FTTH-Ausbau wird nahezu durchgängig OS2 verwendet, weil die Dämpfung deutlich geringer ist.
Im PON liegt der Upstream typischerweise bei 1310 nm und der Downstream bei 1490 nm. So können beide Richtungen über dieselbe Faser laufen.
In FTTH-Zugangsnetzen der Telekom werden in der Regel LC/APC-Steckverbinder verwendet, um Reflexionen zu minimieren.
Farblogik
Faserfarben im 12er-Schema
Die Farbfolge dient ausschließlich zur Identifikation einzelner Fasern im Kabel. Sie ändert nichts an der optischen Übertragung, ist im Feld aber unverzichtbar für Dokumentation, Spleißplanung und Fehlersuche.
TIA-598 / IEC 60304
1. Rot
2. Grün
3. Blau
4. Gelb
5. Weiß
6. Grau
7. Braun
8. Violett
9. Türkis
10. Schwarz
11. Orange
12. Rosa
Wofür die Farben stehen
Die Reihenfolge hilft beim Zuordnen einzelner Fasern innerhalb eines Rohres, Moduls oder Kabels.
Spleißpläne, Patchfelder und Muffen werden mit diesen Farben deutlich leichter lesbar.
Die Farben beschreiben keine Qualität oder Wellenlänge, sondern nur die Position der Faser in der Belegung.